Aschermittwoch in Schäftlarn

Grün macht den Unterschied

Ein voller Postsaal in Ebenhausen, rund 200 Besucherinnen und Besucher und eine lebhafte Diskussion bis 22 Uhr: Der jährliche, traditionelle politische Aschermittwoch in Schäftlarn war in diesem Jahr ein gemeinsamer Abend mit den Grünen Ortsverbänden im Isartal und nicht nur Höhepunkt im Kommunalwahlkampf, sondern ein starkes Signal für kommunales politisches Interesse und regionale Dialogbereitschaft.

 

Unter dem Motto „Grün macht den Unterschied“ diskutierten kommunale Spitzenkandidatinnen und -kandidaten aus Pullach, Baierbrunn, Schäftlarn und Icking gemeinsam mit Landratskandidatin Marion Seitz sowie dem Bundestagsabgeordneten Dr. Anton „Toni“ Hofreiter über die Zukunft der Region – von S-Bahn und Wohnungsbau bis zur Energie- und Sicherheitspolitik.

 

Die Veranstaltung begann um 19.30 Uhr und endete gegen 22 Uhr. Neben politischen Beiträgen war ausdrücklich Raum für Diskussion und Publikumsfragen vorgesehen.

 

Die Isartal-Runde: Konkrete Projekte vor Ort

Den Auftakt bildete eine kommunale Gesprächsrunde.

Dr. Philipp Geiger (Icking) betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit der sieben Isartal-Gemeinden, insbesondere bei Mobilitätsfragen. Eine bessere Abstimmung mit der Deutschen Bahn und der Ausbau der Radinfrastruktur seien zentrale Bausteine für eine nachhaltige Verkehrspolitik.

Fabian Blomeyer, unser Bürgermeisterkandidat für Schäftlarn, warb für mehr Gestaltungswillen in den Gemeinden: Infrastrukturprojekte dürften nicht nur verwaltet, sondern müssten aktiv mitentwickelt werden. Beim Thema Ortsentwicklung plädierte er dafür, öffentliche Räume strategischer zu denken und Zukunftschancen frühzeitig zu nutzen.

Andreas Manske (Baierbrunn) stellte die Klimaschutzstrategie seiner Gemeinde vor. Photovoltaik auf kommunalen Gebäuden, ein gemeinsames Geothermie-Projekt mit Pullach sowie Maßnahmen zur Starkregenvorsorge seien konkrete Schritte, um Klimaschutz und Anpassung zusammenzudenken.

Susanna Tausendfreund (Pullach), Erste Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin, berichtete von aktuellen Projekten in Pullach:

  • Der Windpark im Forstenrieder Park steht kurz vor Baubeginn, das erste Windrad soll 2026 ans Netz gehen.
  • 42 neue Wohnungen mit einer Kaltmiete von 12 Euro pro Quadratmeter wurden realisiert.
  • Ein neues Jugendhaus entsteht im Schwammstadt-Prinzip – als Beitrag zu Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität.
  • Ihre zentrale Botschaft: Kommunalpolitik endet nicht am Ortsschild. Gerade im Isartal brauche es Zusammenarbeit statt Kirchturmdenken.
  • Wohnen, Wärme, Mobilität: Die großen Fragen bleiben lokal

 

Diskussion

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, wie sehr die großen gesellschaftlichen Herausforderungen konkret vor Ort spürbar sind.

Beim Thema bezahlbarer Wohnraum ging es um Nachverdichtung, genossenschaftliche Modelle und die Rolle der Baugesellschaft München-Land.

Die kommunale Wärmeplanung wurde als Schlüsselprojekt der kommenden Jahre benannt.

Und die S-Bahn-Situation im Isartal blieb eines der drängendsten Themen des Abends – mit Forderungen nach mehr Zuverlässigkeit und besserer Abstimmung mit der Bahn.

Auch seniorengerechtes Wohnen, lebendige Ortszentren und Jugendbeteiligung wurden intensiv diskutiert.

 

Marion Seitz: Wohnen und Mobilität als Landkreisthemen

Landratskandidatin Marion Seitz machte deutlich, dass viele Herausforderungen nicht an Gemeindegrenzen haltmachen. Wohnen sei ein zentrales Kreisthema. Sie sprach sich für genossenschaftliche Wohnformen, die Aktivierung von Leerständen und eine sozial ausgewogene Quartiersentwicklung aus.

Auch im Landratsamt sieht sie Modernisierungsbedarf – etwa bei Abläufen rund um Führerscheinprüfungen.

Für den öffentlichen Nahverkehr brachte sie landkreisweite Flex- und Nachtbus-Angebote sowie Carsharing-Modelle ins Gespräch. Ein besonderes Anliegen war ihr das Thema Inklusion, das sie auch symbolisch mit einer kurzen Passage in Gebärdensprache unterstrich.

 

Hofreiter: Energiepolitik ist Sicherheitspolitik

Den bundespolitischen Rahmen setzte Dr. Anton Hofreiter. Er verband lokale Energieprojekte mit globalen Entwicklungen und betonte:

„Kommunalpolitik ist auch Geopolitik.“

Er argumentierte, dass jede Investition in erneuerbare Energien zur Unabhängigkeit Europas beitrage. Windkraft und Solarenergie seien nicht nur Klimaschutzinstrumente, sondern auch sicherheitspolitische Bausteine.

Zugleich warnte er vor einer Renaissance der Atomkraft in Europa und verwies auf massive Kostensteigerungen bei den 3 aktuellen Neubauprojekten. Die Zukunft liege in erneuerbaren Energien, Kreislaufwirtschaft und technologischer Innovation.

Mit Blick auf internationale Konflikte und die Unterstützung der Ukraine wurde deutlich: Globale Entwicklungen wirken bis in die Kommunen hinein – etwa über Energiepreise und Versorgungssicherheit.

 

Der Politische Aschermittwoch im Isartal zeigte:

Die Menschen wollen nicht nur zuhören – sie wollen mitreden. Die lebhafte Diskussion bis in den späten Abend unterstrich das große Interesse an kommunalpolitischen Themen.

Mit rund 200 Gästen war die Veranstaltung eine der größten politischen Diskussionsrunden im Isartal in diesem Jahr – und ein deutliches Zeichen für eine engagierte, konstruktive politische Kultur in der Region.

 

Herzlichen Dank an die Organisatoren, alle Gäste und unsere Referentinnen und Referenten.

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